Und er marschiert!
Zu Weihnachten 1992 gab es auch in Reutte im Außerfern eine Lichterkette gegen das Ausländer-Volksbegehren der FPÖ.
Man hat uns damals gebeten, ein Lied zum Thema "Neonazis" zu schreiben. Doch wie geht man dieses Thema an? Einfach zu singen "Alle Neonazis sind Arschlöcher" ist sicher der falsche Weg - man ist dann ja genauso hetzerisch, schwarz/weiß-malerisch und vereinfachend wie die Hakenkreuzler selber!
Also haben wir uns die Frage gestellt: Woher kommt denn so ein Neonazi? Er ist nicht vom Mond, hat sich nicht aus der Vergangenheit "hergebeamt" - er ist mitten unter uns aufgewachsen! Man sollte sich vielleicht fragen: Wie sah es bei ihm zu Hause aus, was hat er dort alles erlebt, gehört, gesehen? Als junger Mann am Stammtisch hat er wahrscheinlich gut zugehört - und was momentan an manchen Stammtischen wieder zu hören ist, da sind die Neonazis manchmal noch recht harmlos dagegen.
Wirklich gefährlich wird es jedoch, wenn diese Stammtisch-Blödheiten von Politikern ganz offiziell über die Medien verbreitet werden. Denn wenn so ein Politiker mit kleinen Wort-Knüppelchen auf Gruppen wie Ausländer, Asylanten oder Flüchtlinge losgeht, dann fühlt sich der Neonazi, der das beobachtet, natürlich geradezu dazu aufgerufen, einen richtigen Knüppel in die Hand zu nehmen und drauflos zu schlagen.
Und Haider malt Zielscheiben auf Menschen. Danach braucht er sich die Hände nicht mehr schmutzig zu machen. Die Briefbomben, die täglichen Beleidigungen, Diskriminierungen und Stänkereien braucht er dann nicht mehr persönlich vorzunehmen. Ja nicht einmal die Gesetze muss er selber schaffen, das erledigen die Regierungsparteien in vorauseilendem Gehorsam!
Ziemlich eindeutiges Schauspiel, das dem im Lied erwähnten Neonazi hier geboten wird - oder?
Aber auch wir braven Durschnittsbürger dürften ihn ziemlich beeidruckt haben. Da gibt es so viele kleine Alltagsfaschismen, die uns gar nicht mehr auffallen. Unsere Sprache verrät uns:
Wenn etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, dann ist es "getürkt". Was würden wir wohl sagen, wenn man in Frankreich zu zwielichtigen Vorgängen "geösterreichert" sagen würde? Und bei uns im Lechtal ist es heute noch üblich, einen Gechäftsmann, der überhöhte Preise hat, als "Juden" zu beschimpfen. Das Wort "Jude" als Schimpfwort - für mich war das als Kind etwas ganz Normales, man hört es aber auch heute noch.
Daran sieht man, dass die Nazis vor sechzig Jahren ziemlich gründliche Arbeit geleistet haben im Ausgrenzen, Sündenböcke stempeln.
Und wenn die Gefahr besteht, dass die Zeiten wieder ein wenig schwieriger und enger werden, dann werden wieder Sündenböcke gesucht. Und Verführer-Typen wie Haider&Co. bieten uns diese Sündenböcke heute wieder in schwarz-weiß-malerischer Manier an.
Und hinter diesen modernen Rattenfängern marschieren nicht nur die Neonazis im Geiste mit!

